Nachtrag zum Seminar Gartendenkmalpflege März 2015

23.10.2015 01:00 von Ulrich Stenger

Erkenntnisse und Handlungsbedarf für historische Gärten durch Extremwettersituationen

Beitrag aus „Garten + Landschaft“, Ausgabe 07 / 2015 • Deutsche Gesellschaft DGGL für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V.

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Mögliche Schäden in Parkanlagen müssen vorausschauend in den Parkpflegekonzepten behandelt werden.


Kurz vor Ostern war es wieder soweit: Das Sturmtief Niklas rüttelte erheblich an der Standfestigkeit vieler Bäume, auch in historischen Parkanlagen. Extremwetterereignisse sind längst keine Seltenheit mehr; sie werden zur Normalität. Der Orkan Ela fegte 2014 über Teile des Rheinlands und des Ruhrgebiets. Besonders hart traf es damals einige historische Gärten, die bis zu 50 Prozent Verlust des Baumbestands hinnehmen mussten. Die Zeugnisse der Garten- und Landschaftskultur werden zunehmend durch Stürme mit Windwurf, die Häufung von Starkregenereignissen, die Verlagerung von Niederschlagsmengen in den Winter und auch die Hitze und Dürreperioden im Frühjahr gefährdet. „So kann zum Beispiel anhand von Daten nachgewiesen werden , dass sich die phänologische Vegetationszeit. also die Zeit, in der die Pflanzen wachsen, seit Beginn der Aufzeichnungen um ca. 16 Tage verlängert hat.” Aus: Klimawandel in Nordrhein-Westfa len - Wie das Klima NRW verändert. Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (2012). Neben direkten Einflüssen auf alle Lebewesen lassen sich Auswirkungen auf den Wasserhaushalt und auf die Böden feststellen. Das verstärkte Auftreten verschiedener Schadorganismen steht vermutlich im Zusammenhang mit veränderten Umwelteinflüssen. Beispiele sind die Kastanienminiermotte, der Brandkrustenpilz und Bakterien, wie Pseudomonas syringae.
Die Arbeitsgemeinschaft Sachverständige Gartenbau - Landschaftsbau - Sportplatzbau e.V. veranstaltete am 30. und 31. März, unterstützt vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt der Landeshauptstadt Düsseldorf und dem Arbeitskreis historische Gärten der DGGL ein Seminar mit dem Titel „Zerstörung historischer Gärten durch Extremwettersituationen". Einfache Antworten oder Patentrezepte gibt es nicht. Neben all den durch Windbruch gefallenen Bäumen und zerstörten Baumkronen wurden
aber auch positive Aspekte sichtbar. Die intensivierte Auseinandersetzung mit den Gartenanlagen, die in Düsseldorf schon vor dem Sturm stattgefunden hat, führte zu neuen und wichtigen Erkenntnissen. Das Bewusstsein und die Wertschätzung für die historischen Gärten hat sich verstärkt. Die Ungeduld der Bürger bei der Nachpflanzung wird bewusst gelenkt und so wurden an bestimmten Orten bereits große Bäume nachgepflanzt. Dass das Seminar mit intensivem fachlichen Austausch noch während der Projektierungsphase der zu verfassenden Parkpflegewerke stattfand, wurde von Teilnehmern und Referenten durchweg als hilfreich und sehr positiv empfunden.

Standardisierte Schadensaufnahme

Eine wichtige Erkenntnis ist, dass eine Notfall -Kartierung noch intensiver
und präziser vorgenommen werden sollte. Es wäre wünschenswert,eine standardisierte
Aufnahme der Schäden zu entwickeln, um eine Vergleichbarkeit der Daten, die in verschiedenen Städten erhoben werden, zu gewährleisten und damit auch wissenschaftlich auswertbar zu machen. Je nach Relevanz und den zur Verfügung stehenden Mitteln sind eine zeitliche Entzerrung und eine Abstufung der Intensität der Untersuchungen denkbar. Die Aufnahme des Alters der gefallenen Bäume, Mittels Zählung der Jahresringe nach Windbruch oder Fällung aus anderen Gründen sollte aber zum Standard gehören.

Vorausschauende Planung

Für all diese Maßnahmen ist es notwendig, diese schon vor einem Ereignis zu planen, um im Ernstfall zu wissen, wie vorzugehen ist. So kann man auch im Notfall schnell entscheiden, welche Datenerhebung absolut notwendig ist und in welcher Abfolge sie zu erfolgen hat.
Pauschalierte Aussagen zu Baumarten wurden kritisch betrachtet, da es bei Krankheitsbildern immer Wellenbewegungen gibt. Es ist bei Schäden in der Vergangenheit sichtbar geworden, dass einzelne Bäume sich besser durch setzen können als andere, und dieser Genpool sollte dann erhalten bleiben. Der Austausch einer Baumart durch eine andere, beispielsweise wurden Säulenpappeln in der Vergangenheit häufig durch Säulenbuchen oder Säuleneichen ersetzt, ist keineswegs der richtige Weg.
Die Säulenpappel ist in ihrer inhaltlichen und optischen Aussagekraft aus einem Gartendenkmal nicht weg zudenken.
Historische Gartenanlagen, Promenaden, Alleen oder repräsentative Plätze mit ihrem wertvollen Altbaumbestand sind als identitätsstiftende Grünanlagen wichtige Bestandteile des städtebaulichen und landschaftskulturellen Erbes. Die Charta von Florenz (1981) behandelt die Grundsätze des Gartendenkmals und nimmt Bezug auf die besonderen Herausforderungen im Umgang mit dem lebendigen „Baustoff", der Pflanze. Diese ist dem natürlichen Kräftespiel ausgesetzt und unter liegt einer zyklischen Entwicklung des Wachsens und Vergehens. Sie ist abhängig von ihrer natürlichen Umgebung, den Bodenfaktoren und den klimatischen Einflüssen. Nicht zuletzt jedoch und ganz entscheidend von der pflegenden Hand seiner Gärtner und deren praktischem Fachwissen im Sinne der Gartenkunst.

Informationsaustausch hilft

Es liegt auf der Hand, dass der Austausch unter Gärtnerinnen und Gärtnern, Ämtern, Schlösser und Parkverwaltungen und Freiberuflichen Gutachtern im Sinne der Gartendenkmalpflege gefördert werden muss, um tragfähige Strategien zur Anpassung an den Klimawandel zu finden und umzusetzen.

Jutta Curtius

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